Betriebserkundung Hof Alterauge

Fleckviehkälber [800x600]

Betriebserkundung auf dem Hof Alterauge

 

Am Donnerstag, dem 16. Juni 2011, erkundeten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 6.1 und 6.2 mit ihren Klassenlehrern Frau Schumacher und Herrn Wigger im Rahmen des Wirtschaftskundeunterrichts den Betrieb Alterauge am Papenberg in Drolshagen. Die Hoferkundung war im Biologie- und Erdkundeunterricht vorbereitet worden.

Herr Alterauge und seine Ehefrau führten die Gruppe über das Gelände des Hofes. Herr Alterauge erklärte den Schülern die Struktur des Hofes und seine Geschichte.

Die Geschichte des Hofes

Ursprünglich war die Familie Alterauge seit Beginn des 19. Jahrhunderts in der Ortsmitte Drolshagens ansässig. In ihrem Stammhaus befindet sich heute das Heimathaus.

Da der Hof in der Stadt keine Entwicklungsmöglichkeiten hatte, siedelte die Familie 1968 in den neuen Hof am Papenberg um. Man hatte sich für diesen Standort entschieden, weil hier die Ländereien der Familie liegen.

Man spezialisierte sich auf die Milchviehhaltung. Der Anbindestall  wurde 1996 zu einem zeitgemäßeren Laufstall mit computergesteuertem Fressstand und Melkstation umgebaut.

Zeitweilig betrieb die Familie Alterauge nebenher eine Fremdenpension. Mittlerweile sind die Fremdenzimmer zu Mietwohnungen umgestaltet worden.

Die Familie Alterauge bewirtschaftet etwa 53 ha Land, von denen 17 ha im Eigenbesitz sind. Die anderen 36 ha sind angepachtet. 12 ha werden als Ackerland genutzt, auf denen Gerste, Hafer und Mais als Ergänzungsfutter angebaut werden. Der Rest ist Grünland. Des Weiteren gehören ca. 33 ha Wald zum Hofbesitz.

Der Hof betreibt Milchwirtschaft

Zurzeit stehen auf dem Hof 35 Milchkühe. Der Bestand besteht aus rotbunten und schwarzbunten Kühen und süddeutschem Fleckvieh. Herr Alterauge erklärte, dass der Bestand nach und nach ganz auf dieses Fleckvieh umgestellt werden soll, da diese Rasse robuster und besser an bergiges Gelände angepasst ist und zudem mehr Fleisch ansetzt. Das ermöglicht eine bessere Vermarktung als Schlachtvieh.

Die männlichen Kälber werden an Mäster verkauft, weibliche Kälber werden zu einem Aufzüchter gegeben und kommen mit etwa 2 Jahren wieder auf den Hof zurück.

Die Kühe werden zweimal täglich an der Melkstation gemolken. Die Milch wird gekühlt und in einem Tankwagen gesammelt. Alle zwei Tagen wird die produzierte Menge von ca. 1500 bis 1600 l Milch  von einer Molkerei abgeholt.

Die deutsche Landwirtschaft in Not

Herr Alterauge, der seit Jahren im Bund deutscher Milchviehhalter (BdM) aktiv ist, erklärte, dass es so kleinen Betrieben wie seinem unmöglich ist, genügend Gewinne zu erwirtschaften, um überleben zu können – und das trotz der Subventionen, die es bisher noch gibt. Konzerne drängen durch ihre Preispolitik immer mehr Bauern zur Aufgabe ihrer Höfe. Die Konzerne kaufen diese Höfe in immer stärkerem Maße auf und errichten Riesenställe mit tausenden von Kühen. Gegen diese Konkurrenz hat der Kleinbauer keine Chance.

Herr Alterauge warnte vor den Gefahren der Massentierhaltung und den Konsequenzen  für die Landwirtschaft. Schon heute sei die mögliche Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher zu erkennen.

Darüber hinaus wies Herr Alterauge darauf hin, dass unser Land immer abhängiger von der Produktion von Lebensmittel im Ausland wird. Die Wichtigkeit des Bauern – auch als Landschaftspfleger – müsse von Politikern deutlicher erkannt  und die heimischen Bauern stärker als bisher  unterstützt werden.

Die Forstwirtschaft ernährt den Hof

Die Erkenntnis, dass die Milchviehhaltung allein das Überleben des Hofes nicht sichert, ließ die Familie Alterauge schon vor Jahren nach einem zweiten wirtschaftlichen Standbein suchen.

Die Forstwirtschaft wurde im Laufe der Jahre die eigentliche Einnahmequelle. Es sind im forstwirtschaftlichen Bereich zurzeit 18 Mitarbeiter beschäftigt: Das Spektrum der Tätigkeiten reicht  von z.B.  Problembaumfällungen, Ausforstungen, Holzrückearbeiten, Anpflanzungen, Vermarktung bis zur Böschungspflege.

Dazu kommt im Winter der Schneeräumdienst.

Auf dem Hof wird Brenn- bzw. Kaminholz produziert. Zunächst werden Baumstämme, vornehmlich Buche, auf 33 cm Länge (seltener auf 25 cm Länge) gesägt, dann mit einem Hydraulikstempel gegen einen Spaltstern gedrückt. Die Holzstücke werden auf einem Fließband transportiert und in einem Container gesammelt. Später wird das Holz zum Trocknen in das Kompostwerk Olpe zur Griesemert gefahren.

Der Hof Alterauge arbeitet eng mit der Firma Annette Weber, die Hackschnitzel produziert, und mit dem Kompostwerk Olpe zusammen, in dem sowohl Holzschnitzel als auch Kaminholz getrocknet werden. Diese Trocknung erfolgt durch die Ausnutzung der bei der Kompostierung entstehenden Wärme (Gase).

Die Holzschnitzel wurden früher z.B. an Böschungen geblasen und verrotteten dann langsam in der Natur. Heute nutzt man die Holzhackschnitzel als Heizmaterial. So vermeidet man Verschwendung wertvoller Energie.

Die Familie Alterauge heizt selbst auch mit einer Holzhackschnitzelverbrennungsanlage.

Herr Alterauge erklärte stolz, dass es durch die Zusammenarbeit der drei beteiligten Betriebe gelungen sei, ein schlüssiges Konzept in die Praxis umzusetzen.

Kyrill hinterließ seine Spuren

Herr Alterauge zeigte den Schülerinnen und Schülern einen allein stehenden Baum. Dieser Baum, eine Douglasie,  hat als einziger eines ganzen Waldstückes den Sturm „Kyrill“ überstanden, da diese Baumart tiefere Wurzeln als Tannen oder Fichten haben. Der Wald, den der Vater des heutigen Besitzers angepflanzt hatte, wurde über Nacht zerstört. Dadurch entstand der Familie großer finanzieller Schaden.

Herr Alterauge erklärte, dass er jedoch aus den Erfahrungen mit dem Sturm jetzt überwiegend Douglasien anpflanze, da diese sturmsicherer seien als Fichten und Tannen. Außerdem seien sie sehr harzreich und dadurch weniger anfällig für Borkenkäferbefall.

Der Hof Alterauge ist ein Familienbetrieb

Herr Alterauge machte deutlich, dass der Beruf des Landwirts – trotz aller Probleme – immer noch sein Traumberuf ist, da er so vielseitige Aufgaben bereit hält.

Er machte aber auch ganz klar, dass das Bewirtschaften des Hofes ohne die tatkräftige Unterstützung durch seine Frau, die unter anderem die gesamten Bürotätigkeiten erledigt, und die Übernahme von Pflichten durch seine Kinder nicht möglich wäre.

Auch der Seniorchef, Herr Alterauges Vater, steht als „Joker“ zur Verfügung, der sich dem Hof nach wie vor verbunden fühlt. Wenn Not am Mann ist, springt er ein.

Dank an das Ehepaar Alterauge

Schüler und Lehrer konnten eine Menge neuer Eindrücke und Informationen mitnehmen und danken noch einmal dem Ehepaar Alterauge, dass sie so bereitwillig und fundiert Einblicke in die Arbeitsweise eines landwirtschaftlichen / forstwirtschaftlichen Betrieb vermittelt haben.

Herr Alterauge machte Probleme seines Berufsstandes deutlich, vermittelte aber auch seine Begeisterung für den Beruf des Landwirtes. Es verdeutlichte am eigenen Beispiel, dass es heute nicht genügt, „Bauer“ zu sein, sondern dass jeder Landwirt, der Überleben will, Unternehmer sein muss, der sich an Entwicklungen am Markt orientiert.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 27. Juni 2011 um 16:28 und abgelegt unter Allgemein, Fotostrecken von dem Benutzer: Claus-Dieter Neumann.